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Plastiktütenvereinbarung geht nicht weit genug

Date

26 Apr 2016

Sections

Climate & Environment

Miller: Regelung ist undurchsichtiger Flickenteppich für Verbraucher, Option der kostenlosen Papiertüte bleibt

Berlin – Plastiktüten sollen in Deutschland weniger werden – das wollen das Bundesumweltministerium und der Handelsverband Deutschland (HDE) mit einer heute gemeinsam unterzeichneten Vereinbarung erreichen. Der NABU begrüßt, dass Plastiktüten künftig nicht mehr kostenfrei über die Ladentheke gehen sollen, beispielsweise in Kaufhäusern und im Elektrohandel, kritisiert aber gleichzeitig, dass die getroffene Vereinbarung nicht weit genug geht.

„In Deutschland verbrauchen wir jedes Jahr über 70 Plastiktüten pro Person. Das ist deutlich zu viel für unsere Natur und die Umwelt“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit nur im Mittelfeld, mit deutlich Luft nach oben. Während andere Länder, wie Irland, ihren Verbrauch bereits drastisch gesenkt haben, greifen wir Deutsche noch jeden fünften Tag zu einer neuen Plastiktüte. Bis Ende 2025 soll der EU-weite Verbrauch auf höchstens 40 Tüten pro Person und Jahr gesenkt werden – die heutige Vereinbarung ist ein Schritt zur Erfüllung dieser Vorgaben aus der neuen EU-Verpackungsrichtlinie. 

„Die Vereinbarung bleibt leider auf halbem Weg stecken: Zu viele wichtige Branchen sind außen vor. Darunter einige, deren Plastiktüten häufig in der Landschaft und Gewässern landen, wie Imbisse, Bäckereien, Kioske oder Wochenmärkte“, kritisiert Miller. Die Folgen zeigen sich heute schon deutlich an Deutschlands Küsten: So sammelt der NABU im Rahmen seines Spülsaum-Monitorings auf den Inseln Fehmarn und Rügen zwischen zwei und fünf Plastiktüten auf nur 100 Metern Küste. Plastikmüll ist inzwischen allgegenwärtig in der Natur und zu einer der größten Bedrohungen für die Ozeane geworden. 

Damit künftig alle Branchen die Plastiktütenflut reduzieren, schlägt der NABU eine einheitliche gesetzliche Lösung vor, die alle Händler in die Pflicht nimmt und die eine Bezahlpflicht für alle Einwegtüten vorsieht. Diese sollte auch den Umgang mit Gewinnen aus dem Tütenverkauf regeln. So könnten die Einnahmen künftig beispielsweise in Projekte zur Abfallvermeidung fließen. 

Um zu zeigen, dass eine freiwillige Vereinbarung schneller und wirkungsvoller ist als zum Beispiel eine Regelung über das Wertstoffgesetz, muss das Ministerium unbedingt zügig weitere Branchen überzeugen. Nur durch eine einheitliche Regelung, bei der jede Tüte kostenpflichtig ist, akzeptieren die Kunden die neue Situation und gewöhnen sich zügig an sie.

„Sehr kritisch ist außerdem, dass sich die Vereinbarung auf Plastiktüten beschränkt. Stattdessen hätten alle Einwegtüten, das heißt auch Papiertüten, kostenpflichtig werden sollen“, so NABU-Expertin für nachhaltigen Konsum, Katharina Istel. Papiertüten sind nur selten eine umweltfreundlichere Lösung, da selbst braune Tüten nicht aus Altpapier hergestellt werden und viel Chemie in einer Tüte steckt. Gerade die bei Textilunternehmen beliebten Varianten sind ressourcenintensiver als eine normale Plastiktüte: Sehr viel Holz, Energie und Wasser sowie jede Menge Chemikalien für Klebematerial und Druckfarben werden in der Produktion benötigt. „Die Textilbranche muss ihren Widerstand gegen eine Kostenpflicht endlich aufgeben. Jedem Kunden ist zuzumuten, eine eigene Tasche mit zum Einkauf zu nehmen und bei spontanen Einkäufen ein überschaubares Entgelt zu zahlen“, so Istel.

 

Für Rückfragen:
Katharina Istel, NABU-Expertin für nachhaltigen Konsum, Tel. +49 (0)30.28 49 84-1661, Katharina.Istel@NABU.de

 

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