DLG: Wir sind gut aufgestellt, müssen aber noch besser werden!

Date

21 Feb 2017

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Agriculture & Food

Press release

Der Einsatz von moderner Düngetechnik kann in hohem Maße dazu beitragen, die Stickstoffeffizienz zu verbessern und Emissionen zu mindern – 16. Fachtagung „Land.Technik für Profis" am 14./15. Februar 2017 bei der Landmaschinenfabrik Rauch in Rheinmünster-Söllingen

(DLG). Wir sind gut aufgestellt, müssen aber noch besser werden! So das Fazit der 16. Fachtagung „Land.Technik für Profis“ zum Thema „Düngung“, die am 14. und 15. Februar 2017 im Hause der Rauch Landmaschinenfabrik GmbH in Rheinmünster-Söllingen stattfand. Der Einsatz von moderner Düngetechnik kann in hohem Maße dazu beitragen, die Stickstoffeffizienz zu verbessern und Emissionen zu vermindern. Dies haben Vertreter von Wissenschaft und Landmaschinenindustrie im Rahmen der Tagung eindrucksvoll gezeigt. „Dies müssen wir deutlich machen und in die Gesellschaft kommunizieren“, erklärte Prof. Dr. Peter Pickel, Vorsitzender des VDI-Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik (VDI-MEG) zur Veranstaltungseröffnung.

„Den neuen Techniken und Verfahren müssen wir Landwirte offen gegenüberstehen, und müssen sie auch anwenden“, sagte DLG-Vizepräsident Hubertus Paetow bei seiner Grußansprache vor den rund 250 Teilnehmern. „Gerade in der Düngung schlummern allerdings noch große Innovationspotenziale, so bei der Inhaltsstoffanalyse organischer Dünger, Konzepten der Mineraldüngung, der Ausbringung des Düngers in den Boden sowie bei der Düngerqualität“, betonte Paetow. Hieran müsse verstärkt gearbeitet werden.

„Housten, wir haben ein Problem“

Auf die diversen Stickstoffeinträge in die Umwelt verwies Prof. Dr. Werner Wahmhoff von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Zwar sei der Stickstoffsaldo seit 1990 von 147 kg N/ha auf 84 kg N/ha zurückgegangen, habe aber das von der Bundesregierung angestrebte Ziel von 80 kg N/ha verfehlt. Entsprechend seien die Vorgaben der Nitratrichtlinie und der NEC-Richtlinie nicht erreicht worden. Für den Wissenschaftler hat sich das bisherige sektorale Stickstoffmanagement als nicht ausreichend effektiv erwiesen. Seiner Meinung nach müssen Maßnahmen zur Reduktion unproduktiver Stickstoffemissionen zusammengeführt werden. Hierzu bedarf es komplexer Bewertungen der Nachhaltigkeit von Nährstoffströmen und Düngestrategien. Wahmhoff hält ganzheitliche, disziplinübergreifende Lösungen für erforderlich. „Bei zielführenden ordnungsrechtlichen Rahmensetzungen und entsprechenden Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind diese Lösungen mittelfristig zu erreichen.“ Es besteht jedenfalls Handlungsbedarf.

Gülledüngung: Weg von m³/ha und hin zu kg N/ha

Neben neuen Verfahren und Techniken der Mineraldüngung nahm die Gülledüngung breiten Raum ein. Hierbei wurde insbesondere auf das Problem der schwankenden Nährstoffgehalte eingegangen. Mittlerweile sind erste Messsysteme zur Nährstoffbestimmung in Echtzeit auf dem Markt. Über Nahinfrarotsensoren (NIRS) kann der Nährstoffgehalt der vorbeiströmenden Gülle online beim Betanken oder Ausbringen bestimmt werden. Für Landwirt Klaus Münchhoff aus Derenburg bestehen hierbei noch drei wesentliche Herausforderungen: Exakte Messwerte erfordern eine Kalibrierung der Sensoren über definierte Mengenvorgaben. Dabei vergleicht man die Sensormesswerte mit vorher auf anderem Wege exakt bestimmten Nährstoffgehalten verschiedener Gülleproben. Dies scheitert bislang an der Erstellung repräsentativer Gülleproben, da es bereits innerhalb einer Lagerstätte zur Entmischung der Gülle und damit zu großer Inhomogenität kommt. Zum zweiten muss die Labormessung genauer werden, denn die Ergebnisse aus den Analysen der „gleichen“ Gülle unterscheiden sich von Labor zu Labor, ja selbst bei der Mehrfachanalyse aus einem Labor ergeben sich nicht unerhebliche Differenzen. Und drittens muss auch der Gesetzgeber die Werte aus dem Echtzeit-Messsystem noch für die Dokumentation anerkennen. „Sind diese Voraussetzungen erfüllt, steht in der Landwirtschaft ein Paradigmenwechsel in der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern an: Weg von m³/ha und hin zu kg N/ha. Zusätzlich eröffnet sich die Möglichkeit, die Nährstoffgabe teilflächenspezifisch anzupassen.“

Connected-Nutruient Managementsystem

Über positive Erfahrungen beim Einsatz des Connected-Nutrient-Managementsystems zur teilflächenspezifischen Applikation (John Deere) berichtete der bayerische Landwirt Jürgen Schwarzensteiner aus Irlbach. Er zeigte auf, dass damit N-Verluste reduziert und eine bedarfsgerechte Versorgung der Pflanzen, auch mit organischem Dünger, sichergestellt werden kann. Das Connected-Nutrient-Managementsystem sei ein Instrument, das dem Landwirt bei der Planung, Applikation und Dokumentation der Maßnahmen hilft. Schwarzensteiner hält die Fernerkundung und das Manure Sensing von John Deere für wichtige Puzzleteile, „die einen sehr guten Beitrag für die Weiterentwicklung der effizienten Düngung leisten werden.“ Allerdings sei eine gehörige Portion an EDV-Kenntnissen bei der Nutzung des komplexen Systems nötig.

Die Düngung an der durchschnittlichen Ertragserwartung ausrichten

Seit 1996 wird in der Neu-Seeland Agrar GmbH Reinstedt teilflächenspezifisch gearbeitet. Geschäftsführer Herbert Lisso sieht darin die Möglichkeit, pflanzenbauliche und betriebswirtschaftliche Entscheidungen mit ganz neuer Qualität zu treffen. Der Betrieb bewirtschaftet 1.600 ha, die durchschnittliche Bodenwertzahl beträgt 80,5. „Etwa die Hälfte der Flächen ist recht homogen, und die andere Hälfte der Schläge hat eine stark schwankende Bodenqualität", erklärte Lisso. Die Vorlage für eine potenzial-angepasste Bewirtschaftung habe sich der Betrieb über Ertragskarten in Verbindung mit Abreifeluftbildern vorangegangener Jahre erarbeitet. „Mit dem auf diese Weise entstandenen Bewirtschaftungssystem vereinen wir Erfahrung mit der Ertragserwartung unter Berücksichtigung und Wichtung der Prioritäten bzw. der spezifischen Standortbedingungen“, sagte Lisso. Die Kalibrierung erfolge auf die Fruchtart Winterweizen (Qualität A-Weizen mit 13 % Protein) nach Winterraps. Eine Korrektur bzw. Bestätigung der jeweiligen Ertragskarten erfolge durch Abreifeluftbilder. „Mit dieser Vorgehensweise haben wir schrittweise ein einfaches und praktikables System der teilflächenspezifischen Erfassung der Potenziale auf den Flächen und der Ableitung von Bewirtschaftungsparametern geschaffen, das mit vertretbarem Aufwand zu beherrschen ist und bei dem nicht der oft beklagte riesige ‚Datenmüll‘ entsteht“, sagte Lisso.

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