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ZEW: Mehr Polarisierung und weniger Wettbewerb in der Fußball-Bundesliga

Date

08 Sep 2016

Sections

Sports

Zunehmende Polarisierung und weniger Wettbewerb in der Fußball-Bundesliga

Der Wettbewerb in der deutschen Fußballbundesliga hat in den vergangenen
zwei Jahrzehnten erheblich gelitten. Eine wesentliche Ursache hierfür ist
die veränderte Mobilität von Spielern. Dadurch finden sich vermehrt
leistungsstarke Spieler bei besonders guten Teams. Diese gewinnen
entsprechend mehr Spiele, was zu weniger Wettbewerb führt. Zu diesem
Ergebnis kommt eine Studie des ZEW in Mannheim.

Die zunehmende Konzentration talentierter Spieler auf besonders
erfolgreiche und dadurch finanzstarke Vereine führt zu einer Verminderung
der wettbewerblichen Balance zwischen der 1. und der 2. Bundesliga. So ist
die höchste Spielklasse über die Zeit deutlich stärker geworden.
Gleichzeitig ist die Verteilung von Fußballtalenten innerhalb der 1.
Bundesliga im Zeitraum zwischen 1998 und 2016 um mehr als 30 Prozentpunkte
ungleicher geworden. Mannschaften wie Bayern München oder Borussia
Mönchengladbach konnten von dieser Entwicklung profitieren. Dagegen haben
andere Vereine wie Werder Bremen mehr oder weniger den Anschluss verloren.
In der 2. Bundesliga ist dagegen kein solcher Trend erkennbar.

Die Studie hat erstmals analysiert, inwieweit zunehmend bessere
Fußballspieler in den beiden höchsten Spielklassen der Bundesliga für
bessere Vereine auflaufen und weshalb das zu einem Rückgang des sportlichen
Wettbewerbs führt. Wenn bessere beziehungsweise schlechtere Spieler
häufiger für bessere oder schlechtere Vereine spielen, macht sich das in
einer zunehmend ungleichen Verteilung von Spielertalenten bemerkbar. Deren
Stärke lässt sich an der Veränderung des Korrelationskoeffizienten ablesen,
einem Maß für die lineare Abhängigkeit zwischen zwei Variablen, in diesem
Fall zwischen Spieler- und Vereinsstärke. Der Korrelationskoeffizient hat
mit rund 1,8 Prozentpunkten pro Jahr stark zugenommen, das heißt die
Verteilung von Spielertalenten in der Bundesliga ist Jahr für Jahr
ungleicher geworden.

Eine der Schwierigkeiten in der Forschungsliteratur besteht darin, Erfolg
und Qualität von Spielern zu messen. Hierfür hat das ZEW eine neue Methodik
entwickelt: Für jeden Fußballspieler wird die Differenz der erzielten Tore
und der Gegentreffer pro Partie für den betrachteten Spielzeitraum
kalkuliert. Dadurch können Informationen über die durchschnittliche
Spielstärke nicht nur von Spielern, sondern auch von Mannschaften und
Trainern gewonnen werden. Die Datenbasis beruht auf einzelnen Spielen der
1. Bundesliga, der 2. Bundesliga und DFB-Pokal-Partien. Zudem werden auch
Veränderungen innerhalb eines Fußballspiels wie Auswechslungen,
Platzverweise oder die Spielminute eines Tores berücksichtigt.

Dass der sportliche Wettbewerb in der Bundesliga immer mehr zurückgeht,
hängt auch stark mit der Entwicklung der Einnahmen der Vereine aus
Fernsehgeldern zusammen, da die TV-Vermarktungsrechte mittlerweile eine
ihrer wichtigsten Einnahmequellen sind. In Zeiten hoher Einnahmen durch TV-
Vermarktung zeigt die ZEW-Studie, dass in der Bundesliga eine deutliche
Entwicklung zu mehr Ungleichheit zwischen Vereinen zu sehen ist. Bei
stagnierenden Medieneinnahmen ist solch ein Trend aber nicht erkennbar.
Seit 2007 ist eine zunehmende Konzentration von besseren Spielern bei
besseren Vereinen (und andersherum) zu beobachten, was sich unter anderem
auch in der vierten Meisterschaft in Folge für Bayern München in der Saison
2015/2016 widerspiegelt.

"Diese Entwicklung wird auch durch eine zunehmende Ungleichheit der
Spielerstärken zwischen der 1. und der 2. Bundesliga angetrieben. Die
höchste deutsche Spielklasse hat über die Zeit an Spielerstärke gewonnen
und hängt dabei die 2. Bundesliga zunehmend ab", sagt Arne Jonas Warnke,
ZEW-Ökonom und Autor der Studie.

Weiterhin findet eine zunehmende Polarisierung innerhalb der 1. Bundesliga
statt. Monetäre Ausschüttungen in der UEFA Champions League sind über die
Zeit stark gestiegen. Entsprechend kann das Verfehlen der Teilnahme am
internationalen Geschäft für die Vereine zu erheblichen langfristigen
Einnahmeeinbußen führen. Dadurch fällt es den Vereinen dann auch schwerer,
gute Spieler zu halten. "Die kürzlich vereinbarten Reformen in der UEFA
Champions League ab der Saison 2018/19 könnten diesen Trend zukünftig noch
verstärken", sagt Warnke.

Die Studie in englischer Sprache findet sich zum Download unter:
http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp16058.pdf

Für Rückfragen zum Inhalt:
Arne Jonas Warnke, Telefon 0621/1235-364, E-Mail warnke@zew.de

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