NABU: Streuobstvermarkter kritisieren falsche Angaben der Länder zum Obstbau

Date

06 Mar 2018

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Agriculture & Food

Bio-Streuobstbau ist Zukunft und Chance / Lingener Erklärung der Streuobst-Vermarkter

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Lingen/Ems – In einer Resolution „Lingener Erklärung zum Streuobstbau" fordern die deutschen Streuobst-Aufpreisvermarkter, die sich  vom 2. bis 4. März zum fünften Mal bundesweit zu einer Fachtagung trafen, in Statistiken und öffentlichen Darstellungen des Bundes und der Länder korrekte Angaben zum Obstbau. Bislang existieren nur unvollständige Angaben, die den Plantagenobstbau betreffen.

 

In Deutschland gibt es bei Äpfeln, Birnen, Kirschen und Pflaumen 29.750 Euro Hektar zertifizierten Bio-Obstbau, aufgeteilt in 22.000 Hektar hochstämmigen Bio-Streuobstbau und in 7.750 Hektar Bio-Plantagenobstbau. Diese Angaben der Agrarmarkt -Informationsgesellschaft AMI wurden erstmals bei der  NABU-Fachtagung „Mehr Genuss als Verdruss – Zur Zukunft des Streuobstbaus“ im niedersächsischen Lingen vorgestellt.

 

„74 Prozent der 29.750 Hektar Bio-Obstbauflächen Deutschlands sind Streuobstwiesen. Nur ein gutes Viertel sind die in den amtlichen Statistiken benannten Flächen des so genannten ‚Marktobstbaus‘ in den Plantagen. In den Statistiken der Länder und der statistischen Landesämter wie auch auf Bundesebene werden leider regelmäßig irreführende oder falsche Angaben gemacht,“ kritisiert Markus Rösler, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst, der die bundesweiten Tagungen der Streuobst-Aufpreisvermarkter seit 1996 zum fünften Mal ausgerichtet hat. Dasselbe gelte für den Obstbau generell: Die Obstanbaufläche für Baumobst in Deutschland liegt bei ca. 350.000 Hektar. Davon sind nach NABU-Schätzungen ca. 300.000 Hektar Streuobstbestände und ca. 50.000 Hektar  ­–  und damit nur rund 14 Prozent – Plantagenobstbau. „Nur diese relativ kleine Fläche wird aber in den Angaben der Länder und Statistischen Landesämter als Obstanbau dargestellt. Das geht sowohl für den Obstanbau insgesamt als auch für den Teilbereich des Erwerbsobstbau weit an der Realität vorbei“, so Rösler.

 

Bundesweite Vorreiter sind Baden-Württemberg mit 9.093 Hektar Bio-Streuobstbau und damit 41 Prozent sowie Bayern mit 8.460 Hektar Bio-Streuobstbau und damit 38 Prozent des bundesweiten Bio-Streuobstbaus. Dort wird die Erwerbsfunktion des Streuobstbaus besonders deutlich, denn die Umstellung auf zertifizierten Bio-Anbau mit höheren Kontrollkosten und höherem Verwaltungsaufwand erfolgt im Regelfall nur bei gewerblichem Interesse. Dabei geht es laut Rösler hauptsächlich um die Produktion von Streuobst-Getränken, die hochpreisig sowohl regional, aber auch international Richtung Benelux sowie den Britischen Inseln vermarktet werden.

 

Insgesamt 19 Forderungen,  insbesondere an Bund und Länder formulieren die Streuobst-Aufpreisvermarkter in der „Lingener Erklärung zum Streuobstbau“.

Neben genauen Angaben zu Obstbau-Flächen fordern sie eine alle zehn Jahre zu wiederholende bundesweit einheitliche Erhebung des Streuobstbaus, ein internationales Streuobst-Kompetenz-Zentrum des Bundes, die Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie mit dem Ziel, die Streuobstbestände um zehn Prozent auszuweiten, die bundesweite Unterschutzstellung der Streuobstbestände und formulieren umfassende Vorschläge im Bereich der Förderprogramme von Bund und Ländern.

 

Für die Anbaufläche der Bio-Streuobstbestände in Deutschland gibt es laut Angaben der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft AMI eine stark steigende Tendenz über die derzeit 22.000 Hektar hinaus. Diese Flächen wurden nach Angaben der Streuobst-Vermarkter meist aus gewerblichen Gründen umgestellt, sind also als Flächen des Erwerbsobstbaus anzusehen und in den Statistiken der Länder und des Bundes entsprechend zu führen. Vergleichbares gelte für die Streuobstbestände, die im Rahmen der Streuobst-Aufpreisvermarktung und der Kleinbrennerei konventionell bewirtschaftet werden. Leider sind alle diese Zahlen bei den Bundesländern derzeit weitgehend unbekannt. So entsteht aufgrund von Veröffentlichungen der Ministerien und statistischen Ämter ein auf Obst-Plantagen reduzierter und damit völlig falscher Eindruck vom Erwerbsobstbau in Deutschland.

 

Streuobstwiesen gehören mit ihrer Arten- und Sortenvielfalt zu den Lebensräumen mit der höchsten biologischen Vielfalt in ganz Europa und in Deutschland. Nach Schätzungen des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst gibt es aktuell rund  300.000 Hektar Streuobstwiesen in Deutschland und etwa 1,5 Millionen Hektar in Europa. Zugleich sind sie mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten Hotspots der Biologischen Vielfalt für ganz Europa. In Deutschland befinden sich nach NABU-Schätzung rund 20 Prozent der europäischen Streuobstbestände, im Vorland der Schwäbischen Alb mit rund 30.000  Hektar das größte Obstanbaugebiet Europas.

 

Bundesweit gibt es rund 120 Streuobstvereine, BUND- und NABU-Gruppen, Landschaftspflegeverbänden sowie Tausende landwirtschaftlicher Bio-Betriebe, die sich in Kooperation mit Keltereien und Mostereien faire Preise für die Bewirtschafter von Streuobstbeständen zum Ziel setzen. Sie erzeugen jährlich 100.000 Tonnen Streuobst, was zu ca. 75 Millionen Liter Getränken verarbeitet wird, darunter über zehn Prozent der deutschen Apfelsaftproduktion.

 

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies hatte in einem Grußwort die ökologische, ökonomische und kulturelle Bedeutung des Streuobstbaus betont und zugesagt, sich für die Erhaltung und Förderung der Streuobstwiesen in Niedersachsen einzusetzen.

 

„Lingener Erklärung zum Streuobstbau“, Infos und Service-Leistungen zum Thema Streuobst und Obstsorten: www.Streuobst.de  

 

Für Rückfragen (nur für Presse):

Dr. Markus Rösler, NABU-Bundesfachausschuss Streuobst, Mobil +49 (0) 151.53755861, E-Mail:  Streuobst@web.de

 

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