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Digitalisierung kommt langsam im deutschen Mittelstand an

Date

05 Sep 2016

Sections

Euro & Finance

Mittelständler sehen Wettbewerbsdruck durch Internetfirmen eher gelassen

Vier von fünf Mittelständlern in Deutschland haben in den Jahren 2013 bis
2015 Projekte zum Ausbau ihrer Digitalisierung durchgeführt Digitalisierung
ist im Mittelstand also längst kein Fremdwort mehr. Die Mehrheit der
Unternehmen gab hierfür jedoch weniger als 10.000 Euro im Jahr aus. Digital
fortgeschrittene Unternehmen unterscheiden sich von anderen darin, dass
sie häufiger nicht nur in Technologie, sondern auch in Kompetenzen
investieren. Nur wenige Unternehmen sehen sich dabei einem zusätzlichen
Wettbewerbsdruck durch Start-ups oder Internetfirmen ausgesetzt. Zu diesen
Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie, die das ZEW, Mannheim, in
Zusammenarbeit mit dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft
GmbH im Auftrag der KfW Bankengruppe durchgeführt hat.

In der Studie wurden rund 2.100 mittelständische Unternehmen des
verarbeitenden Gewerbes und ausgewählter Dienstleistungsbranchen mit
mindestens fünf Beschäftigten und höchstens 500 Millionen Euro Umsatz
befragt. Unter Digitalisierungsprojekten werden Projekte gefasst, die die
Digitalisierung und die damit zusammenhängenden Kompetenzen im Unternehmen
ausbauen. Nicht berücksichtigt sind Routine- und Ersatzinvestitionen in
Informationstechnologie. Bei technologischen Projekten werden Neuerungen
wie zum Beispiel leistungsfähigere Hard- und Software oder eine neue
Webseite im Unternehmen eingeführt. Kompetenzprojekte umfassen Aktivtäten
wie Weiterbildung und Beratung.

Nahezu alle Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten haben in den
zurückliegenden drei Jahren Digitalisierungsprojekte durchgeführt. Auch bei
den kleineren Unternehmen sind es rund 80 Prozent. Einer großen Gruppe mit
geringen Ausgaben stehen fünf Prozent der Mittelständler gegenüber, die
100.000 Euro und mehr jährlich ausgeben. Unternehmen, die in Bezug auf
ihren Digitalisierungsgrad als Vorreiter angesehen werden können, haben zu
93 Prozent technologische und zu 84 Prozent Kompetenzprojekte durchgeführt,
bei den Nachzüglern waren es hingegen 70 Prozent bei den technologischen
Projekten und nur 45 Prozent bei den  Kompetenzprojekten. Mangelnde IT-
Kompetenzen der Beschäftigten werden überdies am häufigsten als Hemmnis
der Digitalisierung genannt.

Etwa die Hälfte der Unternehmen hält es für wahrscheinlich, dass sie in
Zukunft infolge der Digitalisierung flexibler auf Kundenwünsche reagieren
müssen, ein gutes Drittel antizipiert zunehmenden Preisdruck. Hingegen
halten es nur sechs Prozent der Unternehmen für sehr wahrscheinlich und elf
Prozent für wahrscheinlich, dass Start-ups oder marktfremde Internetfirmen
ihnen Konkurrenz machen werden.

"Wettbewerb durch Digitalisierung wird von den Unternehmen eher in
traditionellen Wettbewerbsdimensionen wie Preis und Servicequalität
erwartet. Die meisten Unternehmen rechnen nicht damit, ihren Markt an eine
Internetfirma zu verlieren", erläutert PD Dr. Marianne Saam, Senior
Researcher im ZEW-Forschungsbereich "Informations- und
Kommunikationstechnologien" sowie Projektleiterin der Studie.

Die Studie findet sich zum Download unter:
http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/gutachten/Digitalisierung-im-Mittelstand.pdf

Für Rückfragen zum Inhalt:
PD Dr. Marianne Saam, Telefon 0621/1235-285, E-Mail saam@zew.de

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