European Left: Für ein Europa der Solidarität, der Offenheit und der sozialen Wohlfahrt

Date

12 Jul 2018

Sections

Social Europe & Jobs

Gemeinsame Erklärung des

Präsidenten der Partei der Europäischen Linken (EL), Gregor Gysi

Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), Mirko Messner

Vorsitzenden der slowenischen Levica (Die Linke), Luka Mesec

 

Die Europäische Union steht an einem Wendepunkt, der einen wesentlichen Einfluss auf die nachfolgenden Generationen haben wird. In Europa sind rechtspopulistische und rechtsnationale Parteien auf dem Vormarsch. Die „Achse der Willigen“, bestehend aus Deutschland, Österreich und Italien, ist eine Wiederholung der Geschichte, die wir nicht hinnehmen werden.

Wir kämpfen sowohl auf europäischer Ebene als auch in den einzelnen Staaten gegen diese Entwicklungen und sehen uns als das Gegenüber zur Rechten in Europa. Mit Grenzschließungen (innerhalb der EU) wird national versucht, das Problem zu verlagern, das im globalen Kapitalismus seine Ursachen hat, mit dem die soziale Frage zu einer globalen wurde. Rein national ist diese Frage nicht mehr zu beantworten.

Die grundsätzlich falsche, auch perspektivlose und unmenschliche Antwort der herrschenden Politik lautet derzeit nur Abschottung.

Wir als linke Parteien sehen für eine lösungsorientierte Politik im Kern drei Ansatzpunkte:

 

  1. Die Bekämpfung von Fluchtursachen, vor allem von Krieg, Hunger und ökologischen Desastern, die in vielerlei Hinsicht ihren Ursprung in der Politik der globalen Machtzentren, der finanzmarktgetriebenen Ökonomie und ressourcenplündernden Konzernstrategien haben

  2. Eine Umverteilung von oben nach unten – verbunden mit einem europäischen Investitionsprogramm.

  3. Den Ausbau der sozialen Wohlfahrt auf europäischer und globaler Ebene.

 

 

„Mit dem Rückzug auf die nationale Ebene löst man kein Problem. Im Gegenteil, durch die Aufkündigung des Wohlfahrtsversprechens schafft man diese. Im Kern bedarf es eines sozialen Europas, bestehend aus einklagbaren sozialen Rechten für jeden hier lebenden Menschen, einem europäischen Mindestlohn, einem europäischen System der Arbeitslosenversicherung, einem Investitionsprogramm, aber auch einer gezielten Bekämpfung von Steuerflucht.“

Gregor Gysi, Präsident der Europäischen Linken

 

 

„Die österreichische rechtskonservative Regierung baut mit verschärftem Tempo soziale Errungenschaften auf Kosten der ärmeren Bevölkerung ab, gefährdet bewährte gesundheitspolitische Einrichtungen, flexibilisiert Arbeitszeiten auf Kosten der Lohnarbeitenden. Auf der einen anderen Seite begünstigt sie die Anhäufung von Reichtum und Macht in den Händen einer gesellschaftlichen Minderheit. Sie ist eine akute Bedrohung für den sowieso schon seit Längerem angegriffenen Sozialstaat in Österreich. Gleichzeitig betreibt sie Angstpropaganda gegen jene, die vor Krieg und Elend nach Europa flüchten und betätigt sich als europapolitischer Rammbock gegen menschen- und asylrechtliche Standards. Die Brücken, die sie gemeinsam mit den österreichischen deutschnationalen Burschenschaftern baut, sind nicht Brücken der Solidarität und Humanität, sondern Brücken zwischen der liberalen Mitte und der nationalistischen extremen Rechten in Europa. Dagegen wehren wir uns, gemeinsam mit anderen Betroffenen und Besorgten, und wollen dies auch bei den kommenden Europawahlen sichtbar machen.“

Mirko Messner, Vorsitzender KPÖ

 

„Slowenien ist ein Nachbarland von Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien. Parteien der extremen Rechten sind dort überall an der Macht oder an der Macht beteiligt. Diese faktische Einkreisung hat auf die politische Landschaft Sloweniens massive Auswirkungen. SDS, die größte konservative Partei hat die Wahlen im Juni 2018 gewonnen, aber bisher keine Regierung bilden können. Sie verwandelt sich langsam in eine rechtsextreme Partei ganz im Stile Orbans. Die politische Mitte, einschließlich der Sozialdemokraten (SD), die linke Ideen praktisch aufgegeben hat, macht in der Praxis rechte Politik. Stacheldrahtzäune an der Grenze zu Kroatien sind nur eines der jüngsten Beispiele für diese Politik und zeigen anschaulich wie Europa in den Rechtspopulismus schlittert. Levica (Die Linke) ist die einzige linke Partei im slowenischen Parlament und auch die einzige Partei überhaupt, welche nicht die Werte der Menschenrechte, der sozialen Gerechtigkeit, der Freiheit und der Offenheit aufgegeben hat.

Es ist eine Pflicht der Europäischen Linken, eine starke und vereinte paneuropäische Partei zu werden, um die freiheitliche Demokratie in jedem einzelnen europäischen Staat zu sichern. Und auch zur Sicherung für ein fortschrittliches, faires, gerechtes, offenes und aufgeklärtes Europa.“

Luka Mesec, Vorsitzender der LEVICA

 

 

 

 

For a Europe of solidarity, openness and social welfare

joint statement of the
President of the European Left Party (EL), Gregor Gysi
Chairman of the Communist Party of Austria (KPÖ), Mirko Messner
Chairman of the Slovenian Levica (The Left), Luka Mesec

The European Union is at a turning point that will have a significant impact on future generations. Throughout Europe, right-wing populist and right-wing nationalist parties are on the rise. The 'Axis of the Willing', consisting of Germany, Austria and Italy, is a repetition of history we will not accept.
We are fighting against these developments both at the European level and in the individual states and see ourselves as the counterpart to the right-wing in Europe. By closing borders (within the EU), national attempts are made to shift the problem having its roots in global capitalism, which has made the social question a global one. Yet, this question can not be answered purely on national level anymore.

 

As left-wing parties, we see three approaches to a solution-oriented policy:

 

  1. The fight against the causes of flight, especially war, hunger, ecological disasters,

    which in many ways have their origins in the politics of the global power centers, the financial market-driven economy and resource-looting corporate strategies.

  2. A redistribution from top to bottom - linked to a European investment program.

  3. The development of social welfare at european and global level.

By retreating to the national level problems are not solved. On the contrary, by cancelling the welfare promise they are being created. Essentially it needs a Social Europe, consisting of enforceable social rights for every person living here, a European minimum wage, a European system of unemployment insurance, an investment program but also the targeted fight against tax evasion. 

Gregor Gysi, President of the European Left

“The Austrian right-wing conservative government is accelerating its deconstruction of social achievements at the expense of the poorer population, jeopardizing proven public health facilities, making working hours flexible at the expense of wage-earners. On the other hand, it favors the accumulation of wealth and power in the hands of a social minority. It is an acute threat to the welfare state in Austria, which has been under attack for a long time. At the same time it runs fear propaganda against those who flee from war and misery to Europe and operates as a European policy battering ram against human and asylum standards. The bridges that it builds together with the Austrian German national “Burschenschaftern” (student fraternities) are not bridges of solidarity and humanity, but bridges between the liberal center and the nationalist extreme right in Europe. On the other hand, we are resisting, together with involved and concerned groups, and we want to make this visible in the coming European elections.“

Mirko Messner, Chairman KPÖ

“Slovenia is a neighbor of Italy, Austria, Hungary and Croatia. Far-right parties or factions are holding or sharing power in all of them. We are encircled and that has detrimental effects on Slovenian political landscape. The biggest right wing party developed into Orban-like illiberal far-right, while the parties of polical center and social democrats are moving to the right and have wrapped the country with razor-wire. Our party, Levica (The Left) is now not only the sole left-wing party, we are also pretty alone when values of freedom, openness and human rights have to be defended. This is just one - minor, but illustrative - an example of how Europe is sliding into darkness. That is why the European Left needs a bold and unified appearance at the upcoming European elections - we have to turn the table at the European level!”

Luka Mesec, Chairman of LEVICA